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Rattige Geschichten

Alle hier veröffentlichten Geschichten habe ich selbst geschrieben. Ich hoffe, sie gefallen euch und wünsche viel Spaß beim Lesen !

Weihnachten oder Träume werden wahr 

Ob der dicke Bock das Fest verschläft?! In dieser Geschichte erfahrt ihr es ! 

Es dunkelte bereits, der Mond ging langsam auf und sandte sein fahles Licht auf die Erde hinab. Der kleine Fluß plätscherte träge vor sich hin. Ein Käuzchen schrie in der Ferne. Der heilige Abend war gekommen. Überall duftete es nach Tannengrün und Pfefferkuchen. Bald würden die Kinder erwartungsvoll ihre Geschenke auspacken. Freude und Frohsinn herrschten, wohin man auch sah.

Nur in einem Zimmer hatte die Traurigkeit ihren Schleier fallen lassen. Dort lebten vierzehn Ratten, es war dunkel, und sie waren einsam. Ihr Mensch, den sie so sehr liebten, war über die Feiertage zu Freunden gefahren. Er hatte sie allein gelassen! Zwar kam die Nachbarin regelmäßig, um ihnen Futter zu geben und den Käfig zu säubern, aber Belinda hatte es immer eilig. Nicht, dass sie die Ratten nicht gemocht hätte, aber die junge Frau hatte sich endlich ihren größten Traum von einem eigenen Pferd erfüllt, mit dem sie nun täglich stundenlang durch den Wald ritt.

Still war es in jenem Zimmer, sehr still, und selbst der sonst so fröhliche Kuckuck, der in der alten Wanduhr lebte, schwieg. Plötzlich ergriff "Babsi" das Wort. Sie war die Rudelführerin und wurde von allen geachtet. "Freunde", rief sie, "wir werden wohl in diesem Jahr nicht zu den glücklichen Tieren gehören, werden nicht die warmen Hände unseres Menschen spüren, die uns immer zärtlich streichelten, und es gibt auch kein lustiges Dropseauspacken wie voriges Mal. Außerdem sind vier von uns in den letzten zwei Monaten für immer gegangen. Ich schlage vor, wir verschlafen dieses blöde Fest und wachen erst wieder auf, wenn Weihnachten vorbei ist!" Begeisterung erntete die schöne "Babsi" nicht, aber es schien allen die beste Lösung.                                                                           

Alle Ratzen legten sich nun in die Häuser und Hängematten und versuchten zu schlafen. Nur der dicke "Urmel", der immer Hunger hatte, raffte noch ein paar Maiskörner (wobei er bedauerte, kein Hamster zu sein), um sie in der hintersten Ecke des Käfigs genüßlich zu verspeisen.

Die Zeit verrann, kein Laut war mehr zu hören. Niemand der Ratzen wußte, wie lange sie geschlafen hatten, als sie plötzlich mit einem Schlag erwachten. Ein funkelndes Licht umgab die Tiere und Glöckchen klingelten. Träumten sie?!

Plötzlich öffnete sich die Terrassentür, ein kleiner dicklicher Mann mit einem roten Anzug, einer lustigen Zipfelmütze und langem weissen Bart trat ein. Er hatte ein gütiges Gesicht und lächelte geheimnisvoll. Die kleine "Tuttifrutti", die noch nie ein Weihnachtsfest erlebt hatte, sperrte vor Staunen ihr Mäulchen auf. "Guten Abend und Frohes Fest euch allen !" rief der Kleine mit angenehm warmer Stimme. "Schaut, wen ich mitgebracht habe !" Aus dem Schatten traten plötzlich vier Langschwänze ins Licht. Das gab es doch nicht !                                          

Niemand der Vierzehn konnte es recht glauben, wer da plötzlich vor ihnen stand. Aber es bestand kein Zweifel: Es waren "Beiki", "Shanti", "Rosalinde" und "Jana", die so sehr vermissten Freunde.                                             

"Janas" Fell glänzte wie frisch gefallener Schnee, "Beikis" Fell schimmerte wie Kupfer, "Shantis" strahlte im schönsten Graublau und "Rosalinde" hatte keinen riesigen Tumor mehr, dafür einen gut bemuskelten Körper. Überhaupt sahen alle gesund und munter aus, nichts war mehr von irgendwelchen Krankheiten oder Verletzungen zu sehen.                                                                                                                                                     

Die Ratten umarmten sich, putzten sich voller Begeisterung gegenseitig und unterhielten sich ganz aufgeregt. "Wie geht es euch?", wurde "Beiki" gefragt. "Sehr gut", lächelte sie, "da wo wir jetzt sind, gibt es keine Krankheit und keine Schmerzen, immer genug zu essen, viele Spielmöglichkeiten und niemand ist allein. Stellt euch vor, sogar meine alten Freundinnen "Melba" und "Tethesma" habe ich wiedergefunden. Habt also keine Angst, wenn die Zeit gekommen ist, wir alle werden euch freudig erwarten."

Staunend hatten "Babsi", "Tuttifrutti" und die anderen zugehört. Dabei hatte niemand bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. Das rotbemantelte Männchen winke. "Es ist soweit, wir müssen gehen." Sanft streichelte es die vierzehn Ratzen, behutsam strich es "Gnom", der nach einem Unfall nur noch ein Auge hatte, über den Kopf und "Tundra", deren Pfote verkrüppelt war, über das Bein. Das Wunder geschah - der dicke "Urmel", der gerade von einem Drops abbeissen wollte, liess ihn fallen und machte große Augen. "Gnom" konnte plötzlich beidseitig sehen und "Tundra" hatte einen gesunden Fuß. Leider lachen Ratten im Ultraschallbereich, was menschliche Ohren nicht wahrnehmen können, sonst hätte man den Jubel noch im nächsten Ort vernommen. Zu guter Letzt wurden die Futternäpfe mit erlesenen Nagerknabbereien gefüllt und zwei dicke Maiskolben in den Käfig gehängt. Ein wenig traurig waren alle, als man sich nun endgültig verabschiedete. "Seid nicht bedrückt", sprach "Beiki", "wir sehen uns alle wieder, und wenn ihr eine Sternschnuppe am Himmel seht, so wisset, das sind wir, um euch zu grüssen und zu sehen, ob auf der Erde alles in Ordnung ist."  Ein letztes Winken, dann setzte sich der Schlitten des Tierweihnachtsmannes mit fröhlichem Geläut in Bewegung. In dieser Nacht regnete es viele Sternschnuppen, und gegen Morgen begann es sacht zu schneien. Die vierzehn Ratzen standen am Fenster und ihre Äuglein glänzten wie kleine Diamanten. Was so traurig begann, wurde für sie zum schönsten Fest aller Zeiten. Ja, zu Weihnachten werden Wunder wahr, man muß nur fest daran glauben.

(Katrin Klauschke 1999)

Der seltsame Stern

Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt.

Können Bäume sprechen? Nein, sagt ihr? Dann möchte ich euch etwas erzählen:

Vor nicht allzu langer Zeit lebte ein Tannenbaum im Wald. Nun ist es nichts Außergewöhnliches, wenn ein Tannenbaum im Wald wohnt, denn da gehört er schließlich auch hin, werdet ihr denken.

Dieser Baum nun war hässlich und zwar potthässlich: schief gewachsen besaß er auch nur wenige Zweiglein, und mit dem Wachsen wollte es auch nicht so recht klappen. Sicherlich wäre das Bäumchen irgendwann bei einem Sturm umgebrochen, so dürr war es, aber all die anderen Tannen, die drum herum wuchsen, stützten es mit ihren starken Ästen. Fröhlich war es, unser Bäumchen, denn obwohl nicht gerade schön, mochte es das Leben im Walde: den Duft des Frühlings, das sanfte Gezwitscher der Vögel, wenn ein neuer Tag erwachte, das Sommergewitter, das immer dann losbrach, wenn die Hitze schier unerträglich war, die Nebel des Herbstes, die glitzernden Spinnweben des Altweibersommers und den Schnee des Winters, der den Wald verzauberte und ihm ein prachtvolles Aussehen verlieh. Und es hatte Freunde; ja, alle Bäume rings umher mochten das schiefe Tännchen, denn es konnte wundervolle Geschichten erzählen und hatte für jeden ein gutes Wort. Lebhaft unterhielten sich die Tannen, Kiefern und Fichten am Abend eines jeden Tages und tauschten Neuigkeiten aus.

Natürlich können die Bäume nicht wie wir Menschen reden, aber man kann sie verstehen, wenn man ihnen mit offenen Augen und Ohren begegnet. Bei Unruhe wiegen sie ihre Wipfel, knarren, wenn sie ängstlich sind, weinen ihre klebrigen Tränen, wenn sie Schmerzen erleiden, rauschen bei Wut oder Trauer und bewegen sacht ihre Zweige, wenn sie sich freuen.

Oft bekam der Wald Besuch, denn gleich neben ihm war ein nagelneues Wohngebiet entstanden. Die Menschen, die dort wohnten, ruhten sich gern am Wochenende an schattigen Plätzen aus oder spielten mit ihren Hunden Stöckchenfangen.

Dann wurde es Winter, die Weihnachtszeit nahte. Förster Prasselholz und seine Mitarbeiter erhielten den Auftrag, 500 Tannenbäume zu schlagen, die dann auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden sollten. Der Schönste aber sollte den Platz vor dem Rathaus zieren.

Kurz vor dem Advent wurde es laut in unserem Wald. Ein großer LKW kroch auf dem matschigen Weg heran. In ihm saßen der Förster und seine Gehilfen.

Auf der Lichtung hielten sie und begannen mit der Arbeit. Die Tannen, Fichten und Kiefern knarrten und ächzten, und der Boden erzitterte, wenn ein Baum fiel. 499 waren es schon, nur einer fehlte noch. Plötzlich standen alle vor dem schiefen Bäumchen. "Ist das eine Krücke," meinte ein Arbeiter. "Egal, den nehmen wir mit, schließlich wollen wir bald Feierabend machen, und das hier ist der Fünfhundertste", entschied Förster Prasselholz. Die Säge kreischte und kurz darauf fiel unser kleines hässliches Bäumchen. Ströme von Harz flossen aus der Schnittstelle und benetzten die weiche Erde.

Bald waren alle Bäume auf den Hänger geladen, und die Fahrt zum Weihnachtsmarkt begann. Ein frischer Wind kam auf und der Wald begann zu rauschen, zu knacken und zu wispern. Alle wussten, es war ein Abschied für immer...

Am nächsten Tag standen die 500 Tannen, Fichten und Kiefern, fein säuberlich sortiert, auf dem Markt und warteten auf einen Käufer. Um so näher der heilige Abend rückte, um so mehr nahm die Anzahl der Bäume ab. Die schönsten Nadelhölzer würden bald fein herausgeputzt Wohnzimmer, Dielen, Restaurants und sogar den Festsaal des Bürgermeisters schmücken.

Am Abend des 23. Dezembers schloss der Weihnachtsmarkt bis zum nächsten Jahr seine Pforten. 499 Bäume waren verkauft worden, nur unser kleines krummes Bäumchen war übrig geblieben. Der Verkäufer lehnte es gegen eine Hauswand, bevor er ging, mochte sich jemand aus seinen Zweigen wenigstens noch einen Kranz winden.

Das Tännchen war einsam und traurig, es sehnte sich nach seinem Wald, außerdem schmerzte der Schnitt an seinem Stamm noch immer.

Gegen Abend kam ein scharfer Nordwind auf, der dicke Wolken, schwer von Schnee, mitbrachte. Große Flocken fielen herab und umhüllten sacht das schiefe Bäumchen.

Plötzlich tapste eine Ratte heran. Ihr Fell war schütter, der Gang schleppend, die Augen trübe und der Schwanz hatte einen Knick. Sie setzte sich unter das Bäumchen, um kurz auszuruhen. "Wer bist du denn?", fragte die Tanne ihren Gast. "Und wo kommst du her?" Die Ratte hob ihr Köpfchen und seufzte. "Ich heiße "Sunny" und habe bis vor zwei Wochen bei Tim und seinen Eltern gewohnt. Dort war es herrlich: ich hatte genug zu essen, einen großen Käfig, genügend Auslauf und meine Freundin "Fiona". Timmy kümmerte sich rührend um uns. Es hätte weiter so schön sein können, wenn... ja, wenn sich nicht dieser Unfall ereignet hätte. Einen Augenblick träumte Timmy nur, und schon war es geschehen. Der Autofahrer hatte nicht rechtzeitig bremsen können...." Die Ratte schwieg. "Was passierte dann?" fragte das Bäumchen vorsichtig. "Er hatte ein klein wenig Glück," setzte "Sunny" ihre Erzählung fort, "er hat es überlebt, muss aber eine lange Zeit im Krankenhaus verbringen. Seine Mutter ist fast ständig bei ihm. Inzwischen führt Timmys Tante den Haushalt. Diese hasst Ratten. Gleich am ersten Abend packte sie "Fiona" und mich am Schwanz und warf uns aus dem Fenster. Zum Glück befand sich die Wohnung im Erdgeschoss... Aber mein Schwanz war durch diesen groben Griff gebrochen, er tut heute noch höllisch weh." "Wo ist denn "Fiona", ich sehe nur dich "Sunny"? fragte die schiefe Tanne. Die Ratte schwieg lange. "Es war vor drei Tagen", fuhr sie schließlich fort, "wir durchstöberten wieder einmal die Mülltonnen vor dem Restaurant. Da kamen ein paar junge Leute mit einem großen Hund. Mir gelang es noch, mich rechtzeitig zu verbergen, meiner Freundin leider nicht. Der Hund war schneller, es knackte furchtbar und dann war alles vorbei..." "Sunnys" Augen waren feucht geworden - oder lag das an ihrem Alter, dass sie so tränten? Das Bäumchen strich behutsam mit seinen Zweiglein über die Ratte, um sie wenigstens ein klein wenig zu trösten.

Im Licht der Laterne sahen sie etwas Schwarzes heranhüpfen. Wer oder was konnte das sein?! Eine Schwalbe mit hängendem Flügel gesellte sich zu dem Paar. "Müsstest du nicht längst im Süden sein?", fragten die Tanne und die Ratte fast gleichzeitig. "Ja, aber ich kann nicht. Seht euch meinen Flügel an, wie kraftlos er ist. Noch vor kurzem war ich ein stolzer Vogel gewesen, der kurz vor seiner ersten Reise in den Süden stand. Ein dummer Junge hat meine Pläne und Hoffnungen zunichte gemacht. Mit seinem Luftgewehr hat er mir den Flügel zerschossen. Meine Eltern und Geschwister sind längst fort, ich musste hier bleiben. Nun schneit es und es ist kalt, jetzt finde ich nicht einmal mehr ein Körnchen. Fliegen und Mücken gibt es ja schon lange nicht mehr..."

Auch unser Bäumchen erzählte nun seine Geschichte: von der Sehnsucht nach dem Wald und dass es nutzlos geschlagen worden war, hatte es doch kein Zimmer mit Kerzenschimmer verschönern dürfen.

Es war spät geworden. Das Thermometer fiel stetig. "Sunny" und die Schwalbe froren. Ganz fest schmiegten sie sich aneinander. Die kleine Tanne versuchte mit ihren Nadeln, so gut es ging, die Freunde vor dem Schnee zu schützen, indem sie ihre Zweige über sie breitete. Die Laterne spendete ihr warmes Licht, und in ihrem Schein sah unser Bäumchen wie versilbert aus.

Längst war Mitternacht vorüber, es war der 24. Dezember gekommen, dessen Tag mit der heiligen Nacht enden sollte. 

Ein feuerroter Stern plötzlich am Himmelszelt erschien, sein gleißend Licht den Firmament erhellte. Der Baum, die Ratte und die Schwalbe, sie fühlten sich mit einmal frei und gut: der Vogel rief : "Ich kann die Sonne sehen, fühle ihre warmen Strahlen, mein Flügel ist geheilt, gleich schwing ich mich empor zu ihr!" "Sunnys" Augen glänzten, von Trübheit keine Spur, ihr schönes Fell wieder golden schimmerte und an der Ecke wartete "Fiona", auf die sie freudig zulief. Das Bäumchen schlank und schön wie nie zuvor, sich im dichten Wald befand, wo es mit seinem Wipfel mit Tannen um die Wette rauschte und eine Vogelschar jubilierte.

Ein Sturm kam auf, die Bäume im nahen Wald sich bogen, sie ächzten und knarrten, grad als wenn ein Schrei aus tausendfacher Kehle vereint gen Himmel steigt.

Die drei Freunde bemerkten dies nicht mehr, sie tauchten ein in ein Meer aus Licht und Wärme, sie hatten ihren Frieden gefunden, das Ziel ihrer Reise war erreicht.

Als am Morgen die kalte Wintersonne aufging, bemerkte niemand, dass über Nacht ein schiefer Tannenbaum vertrocknet und zwei kleine Tiere erfroren waren....

Nachtrag: Was bedeutet dieser rote Stern, werden sich einige vielleicht fragen. Ja, dieser Stern erscheint immer dann, wenn Unrecht war, er vereint und spiegelt die Seelen derer wieder, deren Lebensuhr eigentlich noch gar nicht abgelaufen war. Ein uralter Mann erzählte mir von ihm in meinen Kindertagen. Das Unrecht nährt ihn, lässt ihn funkeln, aber blasser werden, wenn man sich kümmert: um die Tiere, die Familie und auch die Pflanzen. Hinter dem roten Stern steht fast immer ein kleiner grüner, das ist der Stern der Hoffnung. Dieser gewinnt an Kraft und Stärke, wenn man gefühlvoll mit seiner Umwelt umgeht, anderen hilft und auch die Kleinen nicht übersieht.

Der grüne und der rote Stern werden nur in der Weihnachtszeit sichtbar, sie sind ein Barometer, wie wir mit unserer Umwelt im ablaufenden Jahr umgegangen sind. Hoffen wir, dass der grüne Stern an Stärke zunimmt und der Rote langsam verblasst....    

(Katrin Klauschke 2003)